Meister Hakuin

März 15th, 2011 § 0 comments

In einem Dorf, in dem der große Zen-Meister Hakuin lebte, wurde ein Mädchen schwanger. Ihr Vater wollte sie zwingen, ihm den Namen ihres Liebhabers zu nennen, und so sagte sie schließlich, nur um einer Bestrafung zu entgehen, dass es Hakuin war. Da schwieg der Vater, aber als die Zeit der Geburt gekommen war, brachte er das Baby sofort zu Hakuin und warf es ihm hin. „Es scheint, dass dies dein Kind ist“, sprach er und empörte sich lang und breit über diese Schande.

Der Zen-Meister sagte nur: „Ach, ist das so?“ und nahm das Baby in seine Arme. Wohin er nun ging, nahm er das Baby mit, eingewickelt in den Ärmel seines zerlumpten Gewandes. An regnerischen Tagen und in stürmischen Nächten ging er in die Nachbarhäuser und bettelte um Milch. Viele seiner Schüler, die ihn als gefallen betrachteten, wandten sich gegen ihn und zogen davon. Und Hakuin sagte kein einziges Wort.

Unterdessen entdeckte die Mutter, dass sie den Schmerz, von ihrem Kind getrennt zu sein, nicht länger ertragen konnte. Sie bekannte den Namen des wirklichen Vaters, und ihr eigener Vater eilte zu Hakuin, warf sich vor diesem nieder und bat ihn immer wieder um Vergebung.
Hakuin sagte nur: „Ach, ist das so?“ und gab ihm das Kind zurück.

Das ist Akzeptieren. Das ist tathata.
Was das Leben bringen mag, ist okay, absolut okay.

Dies ist die Eigenschaft eines Spiegels – nichts ist gut, nichts ist schlecht, alles ist göttlich. Nimm das Leben so an, wie es ist. Indem Du es akzeptierst, verschwinden die Wünsche, verschwinden die Spannungen, verschwindet die Unzufriedenheit. Indem man das Leben so akzeptiert, wie es ist, fängt man an, sich sehr fröhlich zu fühlen, und zwar ohne jeden Grund.
Wenn Freude einen Grund hat, wird sie nicht lange dauern.
Wenn Freude ohne jeden Grund ist, wird sie ewig währen.

aus: Osho, Zen: The Path of the Paradox, Bd. 3, Seite 175-176.

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